Kosten·Glossar

Was ist Slippage? Definition, Ursachen und echte Daten

Slippage ist der Unterschied zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich erzielten Kurs. Warum sie gerade dann am größten ist, wenn sie am meisten wehtut, und wie die Latenz sie messbar macht.

Slippage ist der Unterschied zwischen dem Kurs, den du beim Absenden einer Order erwartet hast, und dem Kurs, zu dem sie tatsächlich ausgeführt wurde. Sie entsteht, weil sich der Markt in der Zeit bewegt, die zwischen dem Absenden der Anfrage durch dein Terminal und dem Abgleich auf dem Server des Brokers vergeht. Sie kann gegen dich oder zu deinen Gunsten ausfallen, ist in der Praxis aber nicht symmetrisch: Große Slippage entsteht genau unter den Bedingungen, unter denen eine präzise Ausführung am meisten zählt.

So funktioniert es

Slippage (Pips) = (Ausführungskurs − Angeforderter Kurs) / Pip-Größe
                  bei Verkaufsorders mit umgekehrtem Vorzeichen

Drei Dinge verursachen sie.

Latenz. Jede Millisekunde zwischen Anfrage und Ausführung ist Zeit, in der sich der Kurs ändern kann. Latenz entsteht auf dem Netzwerkweg zum Handelsserver, bei der Verarbeitung im Terminal selbst und in der Warteschlange, in der der Broker die Orders abgleicht.

Liquidität. Deine Order wird gegen das Orderbuch ausgeführt. Ist zum angezeigten Kurs weniger Volumen verfügbar, als deine Order verlangt, wird der Rest auf der nächsten Kursstufe ausgeführt. Deshalb wächst die Slippage mit der Positionsgröße und schrumpft mit der Markttiefe.

Ordertyp. Market-Orders werden zu dem Kurs ausgeführt, der gerade gilt, und rutschen deshalb. Limit-Orders rutschen nie, werden aber unter Umständen gar nicht ausgeführt, und auch das kostet. Stop-Orders, auch ein Stop-Loss, werden in dem Moment zu Market-Orders, in dem sie auslösen. Das ist die wichtigste Folge überhaupt: Ein Stop garantiert dir den Ausstieg, nicht den Ausstiegskurs.

Die schlechtesten Bedingungen sind vorhersehbar: angekündigte Wirtschaftsdaten, das dünne Zeitfenster rund um den täglichen Rollover, die Kurslücke zur Eröffnung am Sonntag und der Moment, in dem eine Häufung von Stops ausgelöst wird und das Orderbuch leerfegt. Positive Slippage gibt es auch (eine Ausführung zu einem besseren Kurs als angefordert), und ein Broker, der sie genauso weitergibt wie die negative, verhält sich symmetrisch. Einer, der die guten Ausführungen behält und dir die schlechten überlässt, tut das nicht.

Warum das wichtig ist

Slippage ist die Lücke zwischen einer Strategie auf dem Papier und derselben Strategie auf einem Server. Ein Backtest auf historischen Bid-Kursen ohne Slippage unterstellt ein Ausführungsmodell, das es nicht gibt. Und je kürzer der durchschnittliche Trade, desto größer der Teil des Edge, den diese Annahme erfindet.

Bei kleinen Kurszielen ist die Rechnung gnadenlos. Ein halber Pip negative Slippage ist ein Zehntel eines Ziels von fünf Pips und ein Vierhundertstel eines Ziels von zweihundert Pips, und er kommt zu Spread und Kommission hinzu, statt sie zu ersetzen.

Was die Daten zeigen

Die Ausführungsqualität zählt am meisten für Systeme, die auslösen, ohne auf einen günstigen Moment zu warten, und das ist der Großteil der Plattform. Bei den öffentlichen Konten auf ShowMyTrades mit Trade-Historie (Stand August 2026) liegt der mediane Anteil automatisierter Trades bei 99 %, und 53,9 % der Konten sind zu mehr als 90 % automatisiert (42,2 % zu weniger als 10 %). Diese Konten erreichen 703 verschiedene Broker-Server: dieselbe Strategie, geschickt an siebenhundert verschiedene Matching-Engines, mit siebenhundert verschiedenen Latenzprofilen.

Die Haltedauern verschärfen das Risiko. Auf diesen Konten dauert der mediane Trade 2,4 Stunden, und das mediane Konto hat 171 Trades geschlossen: Ausführungskosten fallen oft an, und jedem Trade bleibt wenig Zeit, sie durch Kursbewegung wieder hereinzuholen.

Wo du das auf ShowMyTrades findest

Wir erfassen nicht, welchen Kurs dein Terminal angefordert hat. Slippage pro Trade ist deshalb keine Kennzahl, die wir veröffentlichen, und keine ehrliche Plattform kann sie allein aus Broker-Daten veröffentlichen. Was wir veröffentlichen, ist die messbare Hälfte: die Latenz, aus der sie entsteht.

  • Der Bereich Terminal (bei MT5 Terminal und offene Charts) zeigt den Ping, also die Round-Trip-Zeit zwischen dem Terminal und dem Handelsserver des Brokers, und die Neuübertragungen (Retransmissions), also den Anteil der Netzwerkpakete, die erneut gesendet werden mussten. Ein Ping unter 50 ms ist hervorragend, über 200 ms kann eine langsamere Ausführung und mehr Slippage bedeuten. Dauerhaft viele Neuübertragungen deuten auf ein unzuverlässiges Netzwerk oder einen weit entfernten Handelsserver hin. Im selben Bereich stehen Terminal-Build, Speicher, AutoTrading und DLL-Importe.
  • Die Tabelle Geschlossene Trades unter Trade-Historie und Kontostandsverlauf zeigt pro Ticket Einstiegskurs und Ausstiegskurs neben den Spalten S/L und T/P. Wer vergleicht, wo ein Ausstieg gesetzt war und wo er tatsächlich ausgeführt wurde, kommt mit Broker-Daten am nächsten an die Slippage heran.
  • Schlechtester Trade (Pips) in den Erweiterten Statistiken ist die schnelle Kontrolle. Liegt der schlechteste Trade weit tiefer als der vorgesehene Stop-Abstand des Kontos, ist das der Fingerabdruck eines Ausstiegs über eine Kurslücke oder mit Slippage, nicht eines schlechten Einstiegs.

Häufige Irrtümer

  1. Ein Stop-Loss garantiert den Ausstieg, nicht den Kurs. Bei einer Kurslücke wird er zum ersten verfügbaren Kurs ausgeführt, und der kann weit jenseits des gesetzten Levels liegen.
  2. „Null Slippage“ kann niemand versprechen, jedenfalls nicht bei einer Market-Order. Garantierte Stops gibt es zwar, aber sie sind ein eigenes Produkt und kosten extra.
  3. Slippage ist nicht immer ein Verlust. Prüfe, ob deine Ausführungen jemals besser ausfallen als angefordert. Wenn nie, sagt das etwas über den Broker aus.
  4. Demo-Ergebnisse sind zu optimistisch. Demo-Server bilden weder die Position in der Warteschlange noch die Tiefe des Orderbuchs ab. Eine Strategie, die auf dem Demokonto makellos läuft, kann im Echtgeldhandel nur knapp rentabel sein.

Wie Ping, Neuübertragungen und der Rest der Seite zusammenhängen, liest du im Artikel „So liest du das Dashboard eines Handelskontos“.

Verwandte Begriffe