Was ist ein tägliches Drawdown-Limit? Regeln und Tageswechsel
Ein tägliches Drawdown-Limit legt fest, wie viel ein Konto innerhalb eines einzigen Handelstages verlieren darf. Gemessen wird ab einem Referenzwert, der zu Beginn des Tages festgehalten wird. In den Verträgen von Prop-Trading-Firmen ist es die übliche Risikoregel, und sie wird automatisch durchgesetzt: Wer sie um einen Cent überschreitet, fällt mit dem Konto durch, ganz gleich, wie das Gesamtergebnis aussieht. Anders als der gewöhnliche Drawdown wird das Limit jeden Tag zurückgesetzt und schon im Tagesverlauf geprüft.
So funktioniert es
Referenzwert = Kontostand oder Equity zum Tageswechsel
Tagesverlust = Referenzwert − aktuelle Equity
Verletzt, wenn Tagesverlust ≥ Limit % × Referenzwert
Was die Regel konkret bedeutet, hängt von drei Parametern ab, und die unterscheiden sich von Firma zu Firma.
Kontostand oder Equity als Basis. Ein Limit auf Basis des Kontostands zählt nur geschlossene Trades. Ein Limit auf Basis der Equity zählt auch offene Verluste mit: Ein unrealisierter Verlust kann die Regel also verletzen, bevor er realisiert ist oder bevor sich der Kurs wieder erholt. Die meisten Verträge rechnen mit der Equity, geprüft wird deshalb bei jedem Tick.
Welcher Referenzwert. Manche Firmen nehmen den Kontostand zum Tageswechsel, andere die Equity, wieder andere den höheren der beiden Werte. Diese dritte Variante ist die strengste: Unrealisierter Gewinn hebt den Referenzwert an. Ein Konto, das mit einer Position im Plus in den Tag startet, bekommt dadurch keinen zusätzlichen Spielraum, es fällt nur von einem höheren Niveau.
Wann der Tag beginnt. Der Tageswechsel findet zu einer festen Uhrzeit auf dem Server der Firma statt, meist um 00:00 Plattformzeit oder um 17:00 Uhr New Yorker Zeit, nicht um Mitternacht deiner Ortszeit. Bleibt eine Position über diesen Zeitpunkt hinweg offen, ändert sich, aus welchem Tagesbudget sie zehrt. Und ein Verlust um 23:55 Plattformzeit geht auf ein Budget, das fünf Minuten später wieder aufgefüllt wird.
Ein Rechenbeispiel: ein Konto über 100.000 $, ein Limit von 5 % auf Basis der Equity, als Referenzwert gilt der Kontostand. Die Untergrenze liegt damit bei 95.000 $ Equity. Geschlossene Verluste von 3.000 $ und ein offener Verlust von 2.100 $ drücken die Equity auf 94.900 $: Das Limit ist verletzt, obwohl nur 3.000 $ realisiert sind, und zwar auch dann, wenn die offene Position eine Stunde später ohne Verlust geschlossen wird.
Parallel dazu gilt das Gesamtlimit. Es wird am Anfangskontostand oder an einem mitlaufenden Höchststand (High-Water-Mark) gemessen und nie zurückgesetzt. Das tägliche Limit ist enger und wird weit häufiger verletzt.
Warum das wichtig ist
Das tägliche Limit bestimmt nicht nur, wie groß eine Strategie handeln darf, sondern welche Strategie überhaupt erlaubt ist. Jedes System, das sich innerhalb desselben Tages wieder erholen muss (Nachkaufen, Grid, Aussitzen einer Gegenbewegung), verträgt sich nicht mit einer täglichen Regel auf Equity-Basis, so gut es über einen Monat auch abschneiden mag.
Außerdem unterbindet es den schlimmsten Reflex im Trading: die Positionsgröße zu verdoppeln, um einen Verlust noch am selben Tag zurückzuholen. Ob eine Firma die Regel vorschreibt oder ein Trader sie sich selbst auferlegt, darin liegt der größte Teil ihres Nutzens: Sie ist eine zweite Untergrenze neben dem Margin-Level, und bei einem gehebelten Konto meist die, die zuerst erreicht wird.
Was die Daten zeigen
Bei den öffentlichen Konten auf ShowMyTrades mit Trade-Historie (August 2026) liegt die Haltedauer im Median bei 2,4 Stunden, und ein Konto im Median kommt auf 171 geschlossene Trades. Das sind Konten, die hier veröffentlicht sind, nicht Trader im Allgemeinen.
Ein Median von 2,4 Stunden heißt: Die typische Position wird innerhalb einer Handelssitzung eröffnet und wieder geschlossen. Für Konten, die so handeln, ist das tägliche Limit die Grenze, auf die es ankommt, nicht das Gesamtlimit. Fast das gesamte Risiko entsteht und erledigt sich zwischen zwei Tageswechseln.
Die Drawdown-Tiefen geben den Maßstab vor: Der tiefste Drawdown liegt im Median bei 9,7 %, 38,5 % der Konten bleiben unter 5 % und 38,2 % gehen über 20 % hinaus. Eine Tagesregel von 5 % ist so bemessen, dass sie unbequem ist, nicht großzügig.
Auch die Automatisierung spielt eine Rolle: Der Anteil automatisierter Trades liegt im Median bei 99 %, und 53,9 % der Konten sind zu mehr als 90 % automatisiert. Ein Expert Advisor weiß nichts vom Tageswechsel der Firma, solange er nicht darauf programmiert wurde. Deshalb sind Referenzwert und Tageswechsel keine Nebensache.
Wo du das auf ShowMyTrades findest
ShowMyTrades legt keine Prop-Firm-Regeln fest und setzt auch keine durch. Du bekommst die tagesgenauen Daten, mit denen sich prüfen lässt, ob eine Regel eingehalten wurde.
- Das Modul Monatsrenditen hat neben Tabelle, Chart und Übersicht eine Ansicht Kalender. Sie zeigt das Ergebnis jedes einzelnen Tages, daneben die Summen der Wochen. So bleibt ein einzelner schlechter Tag sichtbar, statt im Monat unterzugehen.
- Ø täglich %, die dritte Zeile im Bereich Kontostatistik unter Rendite und Abs. Rendite, zeigt den typischen Tag, an dem sich ein Ausreißer messen lassen muss.
- Der Chart Drawdown in der Chart-Ansicht stellt den täglichen Drawdown als Balken über die gesamte Laufzeit des Kontos dar. Tage, die nah an ein Limit herankamen, fallen als Ausschläge auf.
- Mit der Trade-Tabelle, die für jeden Trade Dauer, Gewinn (brutto), Swap und Kommission zeigt, lässt sich der Verlust eines einzelnen Tages rekonstruieren.
Beachte die Messlücke: Der Kalender beruht auf geschlossenen Ergebnissen, eine Regel auf Equity-Basis beobachtet dagegen die offene Equity Tick für Tick. Ein Tag, der hier als kleiner Verlust erscheint, kann im Tagesverlauf trotzdem ein Limit verletzt haben.
Häufige Irrtümer
- „Ich habe nur mit 4 % Minus geschlossen, also hat die 5-%-Regel gehalten.“ Bei einem Limit auf Equity-Basis zählen offene Verluste ab dem Moment, in dem sie entstehen. Gemessen wird nicht das, was du geschlossen hast.
- „Der Tag wechselt um Mitternacht.“ Er wechselt nach der Serverzeit der Firma. Trader in anderen Zeitzonen buchen regelmäßig einen Verlust auf einen Tag, den sie schon für den nächsten halten.
- „Das eigentliche Risiko ist das Gesamtlimit.“ Das tägliche Limit ist kleiner und wird in jeder Handelssitzung auf die Probe gestellt. An ihm scheitern die meisten Konten.
- „Hedging friert den Verlust ein.“ Beide Seiten bleiben offen, auf beide fallen Spread und Swap an, und die Regel liest die gemeinsame Equity.
Wie du einen einzelnen Tag im Zusammenhang mit seinem Monat liest, zeigt der Artikel „Die Tabelle der Monatsrenditen lesen“.
Verwandte Begriffe
Drawdown
Drawdown ist der Rückgang eines Kontos vom Höchststand bis zum Tiefpunkt, in Prozent. Hier findest du die Formel, warum er sich aufsummiert und was Tausende echte Handelskonten zeigen.
Margin-Level
Das Margin-Level ist die Equity geteilt durch die genutzte Margin, in Prozent. Die Formel, die Schwellen für Margin Call und Stop-Out und warum es gerade dann am schnellsten fällt, wenn du verlierst.
Maximaler Drawdown
Der maximale Drawdown ist der tiefste Rückgang vom Hoch zum Tief, den ein Konto je verzeichnet hat. Die Formel, die Erholungstabelle und die echte Streuung über Tausende Konten.
Ruinwahrscheinlichkeit
Wie wahrscheinlich du einen festgelegten Teil deines Kapitals verlierst, bevor dein Edge greift: Formel, Tabelle zur Positionsgröße und was Tausende Konten zeigen.