Strategie·Glossar

Was ist ein gleitender Durchschnitt? SMA und EMA erklärt

Ein gleitender Durchschnitt ist der mittlere Kurs der letzten N Perioden, neu berechnet mit jeder Kerze. Was SMA und EMA berechnen und warum die Verzögerung ihr Wesensmerkmal ist, kein Fehler.

Ein gleitender Durchschnitt ist der Durchschnittskurs eines Instruments über eine feste Anzahl zurückliegender Perioden, und er wird mit jeder neuen Kerze neu berechnet. Aus einer zackigen Kursreihe wird so eine einzige Linie, die dem Markt mit Verzögerung folgt. Diese Verzögerung ist kein Mangel, den man wegoptimieren könnte: Sie ist die Berechnung selbst.

So funktioniert es

Die beiden gängigen Varianten unterscheiden sich nur darin, wie sie die Vergangenheit gewichten.

SMA(n) = (P1 + P2 + ... + Pn) / n

EMA(n): k = 2 / (n + 1)
        EMA_heute = (Kurs_heute × k) + (EMA_gestern × (1 − k))

Der einfache gleitende Durchschnitt (SMA) gewichtet jede Periode gleich und lässt die älteste Kerze komplett fallen, sobald eine neue dazukommt. Das hat eine Folge, die kaum jemand einkalkuliert: Ein SMA kann drehen, weil eine Kerze aus dem Fenster gefallen ist, und nicht, weil gerade etwas passiert ist.

Der exponentielle gleitende Durchschnitt (EMA) gewichtet jüngere Kurse stärker und verwirft alte Daten nie ganz: Der Einfluss jeder vergangenen Kerze nimmt geometrisch ab. Er reagiert früher auf einen Richtungswechsel und erzeugt aus genau diesem Grund auch mehr Fehlsignale.

Die Verzögerung lässt sich messen. Läuft der Kurs auf einer geraden Linie, hinkt ein SMA über n Perioden etwa (n−1)/2 Perioden hinterher. Ein 200er-Durchschnitt auf Tageskerzen beschreibt also schon rechnerisch, wo der Kurs vor rund hundert Tagen stand. Eine kürzere Periode verringert die Verzögerung, lässt die Linie aber öfter wegen bloßen Rauschens drehen. Eine Einstellung, die beides beseitigt, gibt es nicht.

Warum das wichtig ist

Jede Regel, die auf einem gleitenden Durchschnitt aufbaut, erbt dessen Verzögerung. Du steigst ein, wenn die Bewegung schon begonnen hat, und aus, wenn sie schon vorbei ist, und bei jeder dieser Transaktionen zahlst du den Spread, die Kommission und gegebenenfalls Slippage. Im Trend fallen diese Kosten gegenüber der mitgenommenen Bewegung kaum ins Gewicht. In einer Seitwärtsphase sind sie das ganze Ergebnis: Die Linie kreuzt hin und her, jedes Kreuzen ist eine bezahlte Transaktion, und das Konto blutet langsam aus, ohne einen einzigen spektakulären Verlust.

Deshalb ist ein gleitender Durchschnitt ein Baustein und keine Strategie. Er sagt etwas über den Durchschnittskurs der jüngsten Zeit aus. Über Positionsgröße, Stop-Platzierung oder die Frage, ob der aktuelle Markt überhaupt zu der Regel passt, sagt er nichts.

Was die Daten zeigen

Bei den öffentlichen Konten auf ShowMyTrades mit Trade-Historie (Stand August 2026) hat das Konto im Median 171 Trades geschlossen, die mediane Haltedauer liegt bei 2,4 Stunden, und der Median des Profitfaktors liegt bei 1,28. Eine Crossover-Regel auf einem Intraday-Zeitrahmen passt genau in dieses Bild: häufige Einstiege, kurze Haltedauer und ein Polster über der Gewinnschwelle, das so dünn ist, dass die Transaktionskosten über das Ergebnis entscheiden.

Das Handelsvolumen ist deshalb die Zahl, an der sich jedes Crossover-System messen lassen muss. Diese Konten haben 1.724.575 Lots gehandelt, und die darauf berechnete Kommission summiert sich auf 4.782.670 $. Eine Signalregel, die öfter auslöst, muss nicht nur öfter richtig liegen: Sie muss so deutlich richtig liegen, dass sie eine Gebühr deckt, die bei jedem Kreuzen fällig wird.

Eine ehrliche Einschränkung: ShowMyTrades leitet nicht ab, welcher Indikator oder welcher Expert Advisor einen Trade ausgelöst hat. Keine dieser Zahlen lässt sich also gezielt Systemen mit gleitenden Durchschnitten zuordnen. Die Zahlen beschreiben die Gesamtheit der veröffentlichten Konten, und nur die können sie ehrlich beschreiben.

Wo du das auf ShowMyTrades findest

Die Chart-Ansicht zeigt Equity, Wachstum, Gewinn und Drawdown, also das Konto und nicht den Kurschart. Indikatoren lassen sich dort nicht einblenden, denn die Plattform soll zeigen, was eine Strategie getan hat, und nicht beim Entwerfen einer Strategie helfen.

Was du tun kannst: das tatsächliche Verhalten eines MA-Systems messen. Filtere unter Individuelle Analyse nach Magic Numbers, um auf einem gemeinsam genutzten Konto einen einzelnen Expert Advisor zu isolieren, und grenze dann mit Haltedauer (Sekunden), Wochentage und Uhrzeit (Serverzeit) ein, wann die Regel tatsächlich auslöst. In den Erweiterten Statistiken zeigen Trades gesamt, Ø Haltedauer und Kommissionen gesamt zusammen, ob das Handelsvolumen seine Kosten wieder einspielt. Die Detailauswertung zeigt im Tab Nach Symbol, ob das Ergebnis von einem einzigen Instrument stammt, das zufällig im Trend lag, und für jede Trendfolgeregel ist genau das die entscheidende Frage.

Häufige Irrtümer

  • „Der Crossover ist das System.“ Ein Crossover ist ein Einstiegssignal. Ohne Positionsgröße, Ausstieg und Kostenannahme ist er keine Strategie, und ein Backtest davon misst den Markt, nicht die Methode.
  • „Der 200-Tage-Durchschnitt ist wichtig, weil alle auf ihn schauen.“ Beliebtheit erzeugt Aufmerksamkeit, keinen Edge. Nichts in unseren Daten stützt oder widerlegt eine bestimmte Periode, und keine seriöse Quelle kann dir eine liefern.
  • „Der EMA ist besser, weil er schneller reagiert.“ Schneller reagieren heißt früher einsteigen und öfter falsch einsteigen. Das ist eine Abwägung, keine Verbesserung.
  • „Ich habe die Periode optimiert, 34 hat am besten funktioniert.“ Wer eine Periode wählt, weil sie auf einer bereits bekannten Historie am besten abgeschnitten hat, betreibt Curve Fitting, ganz gleich, welche Zahl dabei herauskommt.

Welche Kennzahlen zeigen, ob ein regelbasiertes System seine Kosten tatsächlich verdient, erfährst du im Artikel zur Auswertung deiner Trading-Performance.