Kennzahlen·Glossar

Was ist ein Trading-Portfolio? Mehrere Konten als eine Kurve

Ein Portfolio führt mehrere Handelskonten zu einer einzigen Equity-Kurve zusammen. Rendite und Drawdown werden auf dem Ganzen neu berechnet, statt über die Konten gemittelt.

Ein Trading-Portfolio ist eine Gruppe verbundener Konten, die zu einer einzigen Equity-Kurve zusammengeführt werden. Jede Kennzahl wird auf dieser Kurve neu berechnet, als wäre das Ganze immer ein einziges Konto gewesen. Es ist also keine Übersichtsseite, die über mehreren Konten liegt, sondern ein Konto, das aus den Trades aller Konten neu aufgebaut wird.

So funktioniert es

Entscheidend ist der Unterschied zwischen dem Zusammenfassen der Ergebnisse und dem Zusammenführen der Daten.

Falsch:   Portfolio-Rendite = (R₁ + R₂ + R₃) / 3

Richtig:  alle geschlossenen Trades und
          tägliche Equity-Punkte zu einer
          Kurve zusammenführen, dann TWR,
          Drawdown und Kennzahlen berechnen

Die Zusammenführung läuft auf dem Server, und ihre Regeln erklären die meisten Überraschungen. Die Trades aller ausgewählten Konten kommen in einen gemeinsamen Topf und werden nach Ausstiegszeit sortiert. Kontostand und Equity werden Tag für Tag addiert; ein Konto, das an einem Tag nichts gemeldet hat, geht mit seinem letzten bekannten Wert ein, nicht mit null. Die Rendite ist eine zeitgewichtete Rendite, die auf der zusammengeführten Kurve neu berechnet wird, nie ein Durchschnitt der einzelnen Konten. Auch der Drawdown wird dort neu berechnet, als Equity im Verhältnis zum laufenden Höchststand des zusammengeführten Kontostands. Broker, Währung und Kontoname übernehmen den gemeinsamen Wert, wenn alle Konten übereinstimmen; andernfalls steht dort Mixed.

Ein Portfolio umfasst 1 bis 100 Konten, und ein Nutzer kann bis zu 30 Portfolios anlegen; MT4, MT5, cTrader und TradeLocker lassen sich frei mischen. Währungen werden umgerechnet: Kontostand, Equity und Gewinn werden in der Portfoliowährung addiert, die der Inhaber wählt, und zwar zum letzten Tagesschlusskurs. Ein EUR-Konto neben einem USD-Konto ergibt so eine Summe in echtem Geld. Cent-Konten werden vorher durch 100 geteilt: USC, EUC und ähnliche Währungen von selbst, ein Konto, das der Broker in einer normalen Währung führt, erst dann, wenn sein Schalter Cent-Konto eingeschaltet ist. Ohne den Schalter weist so ein Konto hundertfach zu hohe Summen aus.

Warum das wichtig ist

Weil alle drei naheliegenden Arten, Konten zusammenzufassen, falsch sind. Wer Kontostände addiert, belohnt sich dafür, eigenes Geld hin und her zu schieben. Wer Prozentwerte mittelt, lässt +40 % auf einem 500-$-Konto die −5 % auf einem 50.000-$-Konto aufheben, obwohl das Geld rund −4,6 % sagt. Und wer nur das beste Konto nennt, wendet den Survivorship Bias auf sich selbst an.

Die zusammengeführte Kurve beantwortet auch eine Frage, die die einzelnen Seiten nicht beantworten können: ob das zweite Konto überhaupt etwas diversifiziert hat. Ein kombinierter Drawdown in Prozent kann nicht schlimmer sein als der deines tiefsten Einzelkontos, denn eine Mischung kann nicht tiefer fallen als ihr schwächster Bestandteil. Wo er unterhalb dieser Obergrenze landet, entscheidet die Korrelation und kaum etwas anderes. Bei korrelierten Konten liegt der gemeinsame Drawdown fast so tief wie beim schlechtesten Einzelkonto, und in Geld ist der Verlust die Summe aller.

Was die Daten zeigen

Mehrere Konten zu führen ist auf ShowMyTrades der Normalfall: 699 Nutzer haben mehr als ein Konto, und 429 davon haben Konten bei mehr als einem Broker. Trotzdem gibt es auf der ganzen Plattform nur 182 Portfolios (Stand August 2026), ein Bruchteil der Leute, für die die Funktion gebaut wurde.

Korrelation ist die Regel, weil die Konten meist automatisiert handeln: Bei den veröffentlichten Konten mit Historie liegt der Median des Anteils automatisierter Trades bei 99 %, und 53,9 % sind zu mehr als 90 % automatisiert. Derselbe EA auf drei Konten ist eine einzige Strategie, die dreimal Kosten verursacht. Zur Einordnung: Der Median des tiefsten Drawdowns liegt bei 9,7 %, und 38,2 % der Konten lagen schon mehr als 20 % unter ihrem Höchststand.

Wo du das auf ShowMyTrades findest

Portfolios findest du unter Dashboard → Portfolios. Du legst eines an, indem du einen Namen vergibst und Konten in einer Liste mit Kontrollkästchen ankreuzt. Die Seite übernimmt das Layout der Kontoseite (Statistikbereich, Chart-Ansicht, Monatsrenditen, Erweiterte Statistiken, Statistik nach Währungspaar, Trade-Tabelle), und jede Zahl wird aus den zusammengeführten Daten berechnet. Veröffentlichst du ein Portfolio, entsteht eine öffentliche Seite unter demselben Pfad /account/, mit einem Slug, der aus dem Namen erzeugt wird und das Präfix ptf- trägt. Dieser Slug steht nach dem Anlegen fest, während sich der Slug eines Kontos bearbeiten lässt. Bei der Sichtbarkeit gibt es dieselben drei Stufen wie bei einem Konto: privat, veröffentlicht oder nicht gelistet.

Eine Funktion gibt es nur hier: Die Individuelle Analyse bekommt einen Abschnitt Konten mit einem Chip pro Konto, beschriftet mit der kurzen Konto-ID. Wählst du eines ab, wird jede Kennzahl ohne dieses Konto neu berechnet. So beantwortest du mit einem Klick die Frage „Wie sähe das ohne das Martingale-Konto aus?“.

Zwei Dinge werden nicht übernommen. Ein verifizierter Track Record wird nicht angezeigt: Er gehört zu einem einzelnen Konto und dessen Investor-Passwort, und der Datensatz des Portfolios speichert dieses Feld gar nicht. Der Bereich „Terminal und offene Charts“ wird zwar abgefragt, aber das Backend hat dafür keine Gesamtwerte, deshalb bleibt er leer: Ping, Build und AutoTrading-Status stehen weiterhin auf den Seiten der einzelnen Konten.

Häufige Irrtümer

  • „Die Rendite meines Portfolios müsste dem Durchschnitt meiner Konten entsprechen.“ Muss sie nicht. Sie ist eine zeitgewichtete Rendite auf einer einzigen Kurve: Ein großes Konto dominiert, und ein kleines mit spektakulärem Prozentwert fällt kaum ins Gewicht.
  • „Mehr Konten senken den Drawdown.“ Nur wenn ihre Tiefpunkte auf verschiedene Tage fallen. Vergleiche im Drawdown-Chart jedes Kontos, wann die Tiefpunkte lagen, nicht wie tief sie waren.
  • „Geld zwischen meinen eigenen Konten zu verschieben verzerrt das Ergebnis.“ Die Rendite bewegt sich nicht: Die zeitgewichtete Rendite behandelt einen Übertrag als Änderung des Kontostands, nicht als Ertrag. Liegen beide Konten im selben Portfolio, gleicht die Auszahlung auf der einen Seite auch im zusammengeführten Kontostand die Einzahlung auf der anderen aus.
  • „Ein totes Konto im Portfolio schadet nicht.“ Seine letzte Equity wird als flache Linie fortgeschrieben. Das verwässert die Rendite und mildert den Drawdown in Prozent. Verbinde das Konto neu oder nimm es heraus.

Wie du ein Portfolio aufbaust, wie der Korrelationstest funktioniert und mit welchen fünf Tricks man sich selbst schönrechnet, steht im Artikel über Portfolios aus mehreren Konten.

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