Risiko·Glossar

Was ist Korrelationsrisiko? Warum Diversifikation versagt

Korrelationsrisiko heißt: mehrere Positionen oder Konten, die in Wahrheit eine einzige Wette sind. Wie korrelierte Risiken den Drawdown vervielfachen und was Tausende Trader zeigen.

Korrelationsrisiko entsteht, wenn Positionen oder Konten unabhängig wirken, aber vom selben Faktor bewegt werden und deshalb gemeinsam verlieren. Darum liefert ein scheinbar gut gestreuter Bestand am Ende einen einzigen, ungestreuten Drawdown: Das Risiko wurde Position für Position einzeln gezählt, es trifft aber auf einen Schlag ein.

So funktioniert es

Der Koeffizient zwischen zwei Paaren ist Thema der Korrelation von Währungspaaren. Auf Ebene des gesamten Bestands zählt etwas anderes: wie viele unabhängige Wetten dir am Ende tatsächlich bleiben.

Unabhängige Wetten = n ÷ ( 1 + (n − 1) × ρ )

n = Anzahl der Positionen
ρ = durchschnittliche Korrelation zwischen ihnen

Drei Positionen, jede mit 1 % Risiko auf das Konto:

Durchschnittliche KorrelationGesamtrisikoUnabhängige Wetten
ρ = 01,73 %3,0
ρ = 0,72,68 %1,25
ρ = 13,00 %1,0
ρ = −0,5 (die Untergrenze bei drei Positionen)≈ 0 %—

Der Trader glaubte, dreimal 1 % zu riskieren. Bei ρ = 1 hat er einmal 3 % riskiert. Auf der Plattform weist nichts auf diesen Unterschied hin.

Korrelierte Risiken kommen über fünf Kanäle in den Bestand, und die meisten Bestände tragen mehrere davon zugleich:

  • Eine gemeinsame Währung. Long EUR/USD, GBP/USD und AUD/USD ist eine einzige Short-Dollar-Position in drei Verkleidungen.
  • Eine Strategie auf vielen Symbolen. Ein einzelner Expert Advisor, der zwölf Paare handelt, erzeugt zwölf Positionen aus ein und derselben Signalbedingung.
  • Eine Strategie auf vielen Konten. Derselbe EA, auf vier Konten kopiert, ist eine einzige Wette in vierfacher Größe. Entscheidend ist das insgesamt riskierte Kapital, nicht das Kapital pro Konto.
  • Dieselbe Abhängigkeit von der Marktphase. Jedes Trendfolgesystem im Bestand leidet unter derselben richtungslosen Seitwärtsphase, ganz gleich, was es handelt.
  • Derselbe Handelsplatz. Derselbe Broker, derselbe Kursfeed, dieselbe Ausführung. Fällt der Kursfeed aus oder kommt eine Welle von Requotes, trifft das jede Position gleichzeitig.

Und ρ ist keine Konstante: In ruhigen Märkten entkoppeln sich die Bestandteile, und der Bestand wirkt tatsächlich gestreut. Bei einem Liquiditätsschock laufen sie dann gegen 1 zusammen.

Warum das wichtig ist

Korrelationsrisiko hebelt die Rechnung aus, auf der die Positionsgrößenbestimmung beruht. Eine Regel von 1 % pro Trade ist ein Versprechen über den schlimmsten Fall, und dieses Versprechen gilt nur, wenn die Trades unabhängig sind. Zehn korrelierte Positionen mit je 1 % ergeben einen Tag mit 10 % Verlust, obwohl die Regel exakt eingehalten wurde.

Beim Margin-Level wirkt es genauso: Korrelierte Positionen rutschen gemeinsam in den offenen Verlust. Die Equity sinkt im ganzen Bestand, die genutzte Margin bleibt gleich, und die Stop-Out-Schwelle rückt schneller näher, als es jede Analyse einzelner Positionen vorhergesagt hätte.

Außerdem machen korrelierte Konten Track Records irreführend. Vier Konten mit jeweils moderatem Drawdown haben diese Drawdowns womöglich alle an denselben drei Tagen erlitten: Einzeln gelesen sind es vier Datenpunkte, in Wahrheit ist es einer.

Was die Daten zeigen

Auf ShowMyTrades (August 2026) haben 699 Nutzer mehr als ein Konto, und 429 führen Konten bei mehr als einem Broker. Bei den öffentlichen Konten mit Trade-Historie liegt der mediane Anteil automatisierter Trades bei 99 %, und 53,9 % laufen zu mehr als 90 % automatisiert. Die Zahlen beschreiben die hier veröffentlichten Konten, nicht Trader im Allgemeinen.

Diese Zahlen zeigen die Größenordnung. Mehr als die Hälfte aller Nutzer hat mehrere Konten, und etwa ein Drittel verteilt sie auf verschiedene Broker, meist um nicht von einer einzigen Gegenpartei abzuhängen. Gestreut ist damit die Gegenpartei, nicht die Strategie: Läuft auf beiden Konten dasselbe automatisierte System, liefern zwei Broker zweimal dieselbe Equity-Kurve. Bei einem Automatisierungsanteil von fast 100 % ist genau das der Normalfall.

Die Ergebnisse passen dazu. Der mediane maximale Drawdown liegt bei 9,7 %, und doch haben 17,6 % der Konten die 50 % überschritten. Einbrüche dieser Tiefe entstehen selten durch eine einzelne Position, die schiefläuft. Meist ist es eine Gruppe von Positionen, die sich als ein und dieselbe Position herausstellt.

Wo du das auf ShowMyTrades findest

  • Das Modul Detailauswertung mit dem Tab Nach Magic Number, der den Track Record nach Strategie statt nach Instrument aufteilt. Zwei Magic Numbers mit denselben guten und schlechten Phasen sind ein einziges System unter zwei Namen.
  • Die Individuelle Analyse mit den Filtern Symbole und Magic Numbers. Rechnest du die Kennzahlen ohne eine bestimmte Magic Number neu, siehst du, wie stark der Track Record von ihr abhing. Die Liste der gespeicherten Vorlagen ist auf öffentlichen Seiten verborgen, die Filter sind es nicht.
  • Der Chart Wachstum in der Chart-Ansicht, auf zwei Kontoseiten nebeneinander gelesen. Zwei Kurven mit denselben Hochs und Tiefs an denselben Tagen sind eine einzige Strategie, egal wie sie heißen.
  • Ein Portfolio, das mehrere Konten zu einer gemeinsamen Ansicht zusammenführt: Equity-Kurve, Statistiken und Kennzahlen zusammengerechnet. Auf diese Summe wirkt das Korrelationsrisiko, nicht auf die Zahlen der einzelnen Konten.
  • Die Trade-Tabelle mit den Spalten Magic Number und Kommentar, die zeigt, welches System was wann eröffnet hat.

Häufige Irrtümer

  • „Ich handle acht Paare, also bin ich diversifiziert.“ Wenn sieben davon gegen den Dollar notieren, hältst du eine einzige Dollar-Position, nur in achtfacher Größe.
  • „Verschiedene Broker bedeuten gestreutes Risiko.“ Gestreut sind Gegenpartei und Ausführung, und das ist durchaus etwas wert. Eine Strategie, die bei beiden identisch läuft, wird dadurch aber nicht gestreut.
  • „Die Korrelation ist stabil genug, um damit zu planen.“ Gemessen wird sie unter normalen Bedingungen. Unter genau den Bedingungen, die große Drawdowns auslösen, läuft sie gegen 1.
  • „Long in einem Paar und short in einem korrelierten Paar, damit hebt sich das Risiko auf.“ Damit tauschst du eine Richtungswette gegen eine Wette auf das Kreuzpaar und zahlst fürs Halten zwei Spreads und zwei Swaps.

Wie du das gesamte Risiko auf einen Blick siehst statt auf vier getrennten Seiten, steht in unserem Artikel zum Verfolgen mehrerer Konten in einem Portfolio.

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